Blaue Stunde – Nürnberg Mai 2017

Im Dämmerlicht hat man als Fotograf eine einzigartige Kulisse, der Zeitraum reicht vom Sonnentergang bis zum aufgehenden Mond und dem Erscheinen der ersten Sterne. In diesem Zusammenhang wird häufig von der Goldenen und Blauen Stunde gesprochen, das gilt übrigens auch den Tagesanbruch, diese Phase passt aber häufig nicht so gut in den regulären Tagesablauf für ein Fotoshooting.

Die goldene Stunde beschreibt einen Bereich des Sonnenstands von 6° bis 0° über dem Horizont. Ganz so genau ist der Abschnitt der blauen Stunde nicht definiert. Am wahrscheinlichsten entsteht das charakteristische blaue Licht, während sich die Sonne zwischen 4° und 8° unterhalb des Horizonts befindet. Danach umfasst die blaue Stunde sowohl Teile der nautischen Dämmerung als auch der bürgerlichen Dämmerung (Quelle: timedate.de). Die Dauer der blauen Stunde hängt von der Jahreszeit und vom Breitengrad ab, in unseren Breiten sind es ca. 20 min, also ist eine gute Vorausplanung notwendig. Es sei noch erwähnt, dass für optimale Aufnahmebedingungen der Himmel möglichst wolkenfrei sein sollte.

Die Szenerie stellt ein extrem reizvolle Aufgabe für den Fotografen dar aufgrund der Vielfalt der auftretenden Farben von Pastell, über Rottöne auf der Sonnenuntergangsseite bis zu tiefen Blautönen auf der entgegengesetzten Seite. Diese Lichtverhältnisse erfordern meist längere Belichtungszeiten, die wegen der raschen Änderungen in der Aufnahmephase ständig angepasst werden müssen. Möchte man keine Verwacklungen und großes Detailreichtum in den Bildern erhalten, sind lange Belichtungszeiten bei kleiner Blendenöffnung und niedrigen ISO-Werten zu verwenden. Folglich verwende ich in der Regel ein Stativ und einen Fernauslöser bzw. den Selbstauslöser (2 s) der Kamera.

Ende Mai habe ich mich zur Blauen Stunde in Nürnberg auf den Weg gemacht. Hängen geblieben bin ich an der Maxbrücke, von dort hat man jeweils einen schönen Blick auf den Henkersteg und in die anderer Richtung auf den Kettensteg. Die Belichtungsverhältnisse waren sehr unterschiedlich, ich habe viel mit manuellen Belichtungs- bzw. Blendenkombinationen und unterschiedlichen ISO-Einstellungen experimentiert.

Für solche Aufnahmen ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, sich vorab über die Lokalität und dort die herrschenden Lichtverhältnisse zum avisierten Zeitpunkt zu informieren. Ich nutze dazu seit neuestem eine sehr pfiffige App, die einem genau das ermöglicht. Die App heißt PlanIt! for Photographers und erlaubt eine sehr umfangreiche Planung der Location und der Lichtverhältnisse. Die App wendet sich vorwiegend an Landschafts- und Astrofotografen, ist aber aus meiner Sicht auch sehr gut geeignet für Planungen innerstädtischer Fotoprojekte, da Google Street View integriert ist. Aufgrund der extrem umfangreichen Funktionsvielfalt erfordert PlanIt! allerdings etwas Einarbeitungszeit. Es gibt eine Testversion, die App kostet dann 6,99 €, für das was die App bietet, ein absolut akzeptables Preis-/Leistungsverhältnis. Erhältlich ist sie fürs iPhone und für Android. Eine umfangreiche Rezension des Programms findet man z. B. hier.

Der Screenshot zeigt den Zeitpunkt der Aufnahmen, die ich Nürnberg gemacht habe. Man legt seinen Standpunkt fest, wählt die Optionen, die man angezeigt bekommen möchte (Mondstand, Sonnenstand, den eigenen Standpunkt natürlich, …), fährt dann den den Zeitstrahl entlang und bewertet die entstehenden Situationen schon mal quasi am Reißbrett.

PlantIt! for Photographers

Mit dem Ergebnis des Abends bin ich sehr zufrieden, es sind ein paar nette Aufnahmen entstanden, ich habe diese allerdings noch ein wenig nachbearbeitet. Aufgenommen wurde alles mit der Olympus OM-D EM-1 und dem Olympus ZUIKO DIGITAL ED 12‑60 mm 1:2,8‑4,0 SWD.

Blaue Stunde in Nürnberg…

2 thoughts on “Blaue Stunde – Nürnberg Mai 2017”

  1. Hi,

    ich weiß nicht welche Brennweite du da genau genommen hast, aber ein Tip: „Auf die Linienführung“achten und die Schärfe sitzt auch nicht ganz. Evtl einen Filter benutzt? . Die Erklärungen sind gut.

  2. Hallo Ertan,

    Danke erstmal für den Kommentar, das ist er erste (freu!).

    Die Brennweite der Bilder lag bei jeweils 28 mm (Kleinbild) mit dem 12-60 mm Oly Zoom. Filter hatte ich nur den Standard-UV Filter drauf. Hab ein bißchen nachbearbeitet, aber soweit ich mich erinnere, nicht nachgeschärft. Fokussiert habe mit dem Autofokus, der trifft evtl. nicht sauber bei dem Licht. Was die Linienführung angeht muss ich wohl nochmal in mich gehen … 😉

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